Wolfgang Petrick – Sebastian, 1986, Mischtechnik auf Leinwand, 210 x 295 cm
Wolfgang Petrick verherrlicht nicht das Unheil, das in der Welt ist, er sieht es und er benennt es mit kühlem Kopf. Realitätsnähe und die Darstellung harter Themen mögen für die Betrachtenden belastend sein wegen Petricks nihilistischer Auslegungen. Gleichzeitig aber auch entlastend, durch die vielen Möglichkeiten, sich zu identifizieren, und das Gefühl, verstanden zu werden, nicht allein zu sein in der Erfahrung, wie der Märtyrer Sebastian von allen Seiten angegriffen und verletzt zu werden (weil er das Versprechen der Nachfolge Christi lebt) und doch seinen inneren Überzeugungen nicht abgeschworen zu haben. Deshalb wird der historische Sebastian, ein römischer Soldat, seit dem 4. Jahrhundert als Heiliger in der katholischen und den orthodoxen Kirchen verehrt.
Petricks farbgewaltiges Werk wirkt wie ein Appell der Form: Es ist okay, anders zu sein. Durchhalten gegen die Mehrheitsmeinung ist ehrenwert. Der Künstler bringt ein Drama voller Hass, Trauer, Liebe, Gewalt, Trost, Geschrei, eine poetische Geschichte des Sich-selbst-treu-Bleibens auf die Leinwand. Es findet in der Ausstellung sein Pendant in der widerständigen wie unerschütterlichen Sebastian-Figur von Hans Scheib.
(Text: Christoph Tannert / Foto: Eric Tschernow)

