Bild des Monats: Kunstsammlung Heinrich

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Kunstsammlung Jutta und Manfred Heinrich
- eine Stiftung der Stadt Maulbronn

HELMA: Der Verrat, 1988, Öl auf Leinwand, 200 x 250 cm

Verrat ist ein Vertrauensbruch. Irgendjemand, irgendetwas verletzt die ange­nommene Loyalität. Gemeinhin wird Verrat in der Gesellschaft negativ beurteilt. Wenn keine Rücksicht auf die Konvention genommen wird, dann kann Verrat aber auch das Überwinden der Unfreiheit bedeuten und kann zum Mittel der Veränderung werden. Auf welcher Seite jemand sich in HELMAs dunkelrot leuchtenden Zauberuniversum befinden möchte, muss das Publikum für sich ent­scheiden. Es gibt die Seite der rot wuchernden Mehrheit und eine Minderheit schwarzer Bruchexistenzen. Ein warmes Glühen umfängt die Roten. Das natürli­che Band des Bestehenden stabilisiert sie. Jedes entortete Ich sucht Anschluss. Das ist der Normalfall. So wächst man in der Einflussmacht des Dschungels. Im Einverständnis mit der Masse zu leben, mag organisch sein. Jede Subjek­tivität führt zu Ungleichgewichten. Früher oder später muss sich das Subjekt aber entscheiden, ob es sich seines Verstandes bedienen will, oder doch lieber nicht. Gegen den Mainstream wachsen zu wollen, ist schwer. Wer als dunkler Außenseiter gemobbt wird, findet das selten erträglich. Aber wir kommen in unserer Lebenspraxis nicht umhin, zwischen Mündigkeit und Unmündigkeit zu unterscheiden. Dafür kann ein Verrat nützlich sein.

(Text: Christoph Tannert)